Fachtagung "Geschlechter sensible Fanarbeit" 17. bis 18. Nov. 2015 (Bremen)

Tagungsbericht „Geschlechtersensible Fanarbeit“

Der Zusammenschluss der Fanprojektler_innen Nord hatte am 17./18.11.2015 gemeinsam mit der KoFaS zur Tagung „Geschlechtersensible Fanarbeit“ in das Lidice Haus nach Bremen eingeladen. Ihre Beobachtungen zum Thema Geschlechterrollen und –verteilung in Fanszenen, sowie ihre Erfahrungen und Eindrücke der Sozialen Arbeit mit Fußballfans, veranlassten sie zur Gründung des Arbeitskreises. Ziel ist es, das Thema „Geschlecht in Fußballfanszenen“ (wieder) mehr in den Fokus der Arbeit mit Fußballfans zu rücken. Ein Großteil der über dreißig Teilnehmenden bestand aus Fanprojektmitarbeiter_innen, die von über 13 verschiedenen Standorten anreisten. Einige aktive Fans, Freiberufliche und Mitarbeiter_innen verschiedener Einrichtungen nahmen ebenfalls an der Tagung teil.

Grundlage für die zweitätige Tagung bildete der Auftaktvortrag von Dr. Melanie Plößer von der Fachhochschule Bielefeld, die einen theoretischen Input gab über die „Veränderungen und aktuellen Diskurse in der geschlechtersensiblen Pädagogik“. Dabei bot sie einen Überblick über die geschlechtertheoretischen Ansätze, die die Pädagogik im Laufe der letzten 60 Jahre maßgeblich beeinflusst haben. Neben dem wissenschaftshistorischen Einblick wurden auch immer wieder aktuelle Fragen aufgeworfen, die sich für die pädagogische Praxis, aus dem jeweils aktuellen gendertheoretischen Ansatz heraus ergeben. In der anschließenden Diskussion, wurden verschiedene Aspekte diskutiert, die uns teilweise auch im weiteren Verlauf der Tagung begleitet haben. So wurde zum Beispiel die Frage in den Raum gestellt, ob vor dem Hintergrund dekonstruktiver und queerer Ansätze in der Pädagogik, geschlechtergetrennte Angebote noch Sinn machen und überhaupt möglich sind. Einen weiteren Input gaben Antje Hagel und Antje Grabenhorst am zweiten Tag unter dem Titel „Sexismus im Fußball und Selbstermächtigungsstrategien weiblicher / queerer / antidiskriminierender Fußballsfans“. Hier wurde zunächst durch verschiedenes Bildmaterial aufgezeigt, auf welche unterschiedlichen Arten Sexismus funktioniert. Im Anschluss daran wurden Beispiele von Faninitiativen und Kurven und ihren Strategien vorgestellt, mit denen sie sich in und vor dem Stadion gegen Sexismus einsetzen sowie gegen hegemonial männliches Verhalten positionieren.

In zwei Workshop-Phasen wurde auf Grundlage des theoretischen Inputs, sowie der eigenen Praxiserfahrungen gearbeitet. In dem ersten, thematisch eher breit gefächerten Workshop standen „Geschlecht(erbilder) im Fußball“ im Zentrum. Zentral waren dabei die Fragen nach geschlechtlichen Botschaften und mit dem Geschlecht verbundenen Anforderungen und Erwartungen an junge Fußballfans. Dabei kam die Rolle der Medien ebenso zur Sprache wie die werbewirksamen Aktionen der Vereine, die dafür gerne auf Geschlechterstereotype zurückgreifen. Der zweite Workshop „Sexistische Mackerscheiße vs. Weibliche Ultragruppe? – Möglichkeiten und Grenzen geschlechtersensibler Fanarbeit“ nahm Bezug auf die sozialpädagogische Arbeit mit den Fans und die Aufgaben- und Rollenverteilung im eigenen Team in den Blick. Bereits durch die Einstiegsübung waren die Teilnehmenden dazu angeregt, sich mittels verschiedener Fragen zu positionieren. Fragen wie „Setze ich mein Geschlecht in der Arbeit mit Fußballfans bewusst ein?“ oder „In meinem Team arbeiten alle mit einem geschlechterreflektierten Ansatz“ brachten die Teilnehmenden dazu, über die eigenen thematischen Bezüge zu reflektieren bevor die inhaltliche Diskussion zum Thema geschlechterreflektierte Sozialarbeit weiter ging. In der abschließenden Plenumsdiskussion wurden die verschiedenen Gedankenstränge diskutiert und festgehalten, was in die eigene Fanprojektarbeit mitgenommen werden kann.

Positiv hervorgehoben wurde von vielen Teilnehmenden, dass es zum ersten Mal einen Raum für Austausch zu diesem Thema gab. Es besteht offensichtlich ein Bedarf sich auf verschiedenen Ebenen über das Thema Geschlechterverhältnisse im Kontext Fußball auszutauschen. Sei es in Bezug auf das eigene sozialpädagogisch arbeitende Team, oder die eigentliche Arbeit mit den jungen Fußballfans. So wurde auch der Wunsch geäußert, das Thema der Tagung in einer Folgeveranstaltung zu vertiefen.