Erfolgreiche Tagung in Leipzig

„Miezen, Macker und Emanzen- Geschlecht und Diskriminierung als Herausforderung in der Fanarbeit“. Ein Bericht zur Tagung in Leipzig, 12.10. – 13.10.2016

Mit einem leicht veränderten Ablaufplan ist die Tagung „Miezen, Macker und Emanzen- Geschlecht und Diskriminierung als Herausforderung in der Fanarbeit“ in die zweite Runde gegangen. Insgesamt nahmen 20 Menschen an der Tagung teil, darunter hauptsächlich Mitarbeiter_innen verschiedener Fanprojekte sowie einige externe Teilnehmende. Auch in diesem Jahr stand am ersten Tag die theoretische Auseinandersetzung mit dem Themenfeld „Pädagogik und Geschlecht“ auf dem Programm. So konnte Prof. Dr. Melanie Plößer von der FH Bielefeld erneut als Inputgeberin gewonnen werden und die Teilnehmer_innen mehr über die „(Veränderten) Perspektiven in der geschlechterreflektierten Pädagogik“ erfahren. Im Anschluss daran stellte die KoFaS, die auch in diesem Jahr wieder Mitorganisatorin der Veranstaltung war, Sequenzen aus der Expertise „Geschlechtervielfalt in Fußballfanszenen“ vor. Diese wird im Rahmen des Modellprojekts „Kicks für Alle! Fußball. Fanszenen. Geschlechtervielfalt.“ erstellt und erstmals teilweise der Öffentlichkeit präsentiert. Die Vorstellung beinhaltete ebenso interaktive Teile, in denen sich die Teilnehmenden anhand unterschiedlicher Beispiele (Bildmaterial, Auszüge aus dem Fanmagazin ‚Blickfang Ultra’) erarbeiteten, wie dort Männlichkeit(en) respektive Weiblichkeit(en) verhandelt werden.

Am zweiten Tag wurde der Fokus mehr auf die Handlungsoptionen sowohl in der Arbeit mit Fans als auch in Bezug auf das eigene Team gerichtet. So machte die KoFaS den Auftakt mit einem Workshop zum Thema „Handlungsansätze in der geschlechterreflektierten Arbeit mit Fußballfans“, in dem Anforderungen und Kosten von Männlichkeitsidealen und der pädagogische Umgang damit im Mittelpunkt standen. Anhand von Fallbeispielen wurden Situationen der alltäglichen Arbeit mit Fußballfans diskutiert und Handlungsoptionen unter geschlechterreflektierten Ansätzen erarbeitet. In einem weiteren Workshop standen Handlungsansätze für  Eigen- und Teamarbeit im Vordergrund. Die Workshopleiterinnen Antje Grabenhorst und Antje Hagel bedienten sich auch hier aus ihrer pädagogischen Praxis und arbeiteten mit Fallbeispielen, von denen ausgehend die Teilnehmende lösungsorientierte Handlungsansätze herausarbeiteten.

Insgesamt konnten in der Anschlussveranstaltung zu der ersten Tagung zu geschlechtersensibler Fanarbeit im vergangenen Jahr in Bremen, thematische Schwerpunkte gesetzt werden und trotz der kurzen Zeit, vertiefend besprochen werden. So wurde die gemeinsame Erarbeitung von Handlungsansätzen am konkreten Fall als besonders wirksam bewertet- sowohl für die Eigen- und Teamarbeit als auch für die Arbeit mit Fußballfans.

Eingerahmt wurde die Tagung durch die umfassende Organisation des Fanprojekts Leipzig, die mit dem Veranstaltungsort „Conne Island“ einen hervorragenden Austragungsort bereitgestellt und bestens für das leibliche Wohl gesorgt haben.

 

 

Fortbildung: Miezen, Macker und Emanzen

Die KoFaS unterstützt im zweiten Jahr eine Fortbildung der Fanprojekte zu Geschlecht und Diskriminierung in der Fanarbeit. Sie findet am 12.&13. Oktober in Leipzig statt.

Liebe Fanprojektlerinnen und Fanprojektler,

bereits 2015 hat der Arbeitskreis Fanprojektler*innen Nord die Tagung „Perspektiven der geschlechtersensiblen Fanarbeit“ in Bremen veranstaltet. Es war damals für uns an der Zeit den Austausch einzelner Standorte und des AK's zu den Themen Geschlecht und Diskriminierung im Fußball für alle Fanprojektler*innen zu öffnen. Damals wurde das Angebot von über 14 Standorten angenommen. Es wurde diskutiert, gerätselt und viel gelacht. Das eine oder andere große Fragezeichen wurde geklärt, manche Bedenken oder Vorurteile gegenüber „diesem Genderkram“ verschwanden und hier und da gab es Auseinandersetzungen mit dem Thema im Team – und sogar einige Veränderungen. Für das Fortbildungsformat „Miezen, Macker und Emanzen – Geschlecht und Diskriminierung als Herausforderung in der Fanarbeit“ konnten wir dieses Jahr die Unterstützung der KOS und KoFaS sowie des Fanprojekts Leipzig gewinnen, welche das Programm in leicht abgeänderter Form mit uns ausrichten. Mit der Standortwahl möchten wir dieses Mal vor allem die Fanprojekte in den neuen Bundesländern einladen teilzunehmen und den Dialog zu erweitern.

Auch dieses Jahr soll sich wieder den Fragen genähert werden, was Geschlecht überhaupt mit Fußballfans und sozialer Arbeit zu tun hat, welche Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit im Fußball zu finden sind und was gegen Sexismus, Homophobie bzw. geschlechtsspezifische Diskriminierung getan werden kann. Natürlich soll es nicht nur um die Jugendlichen gehen, sondern auch um unsere Arbeit, das eigene Team und die eigene Rolle als Pädagogin oder Pädagoge.

 

Programm

 

Mittwoch, 12. Oktober 2016

 

Ab 12:00  - Anreise / Empfang

13:00 - 14:00 - Begrüßung und Vorstellung der Teilnehmenden sowie des Programms

14:00 - 15:45 - Input: (Veränderte) Perspektiven der geschlechterreflektierenden Pädagogik (Prof. Dr. Melanie Plößer FH Bielefeld)

15:45 - 16:00 - Pause

16:00 - 18:00 - WS 1: Fußballfans, Geschlecht und Soziale Arbeit: Eine interaktive Präsentation der Expertise aus dem Projekt "Kicks für Alle. Fußball. Fanszenen. Geschlechtervielfalt." (Robert Claus, Cristin Gießler von der KoFaS gGmbH – Kompetenzgruppe Fankultur Sport bezogene Soziale Arbeit)

18:00 - Abendessen, danach Check In im Hotel und freie Abendgestaltung

 

Donnerstag, 13. Oktober 2016

 

Bis 09:15 - Frühstück im Hotel

09:30 - 12:00 - WS 2: Handlungsansätze in der geschlechterreflektierten Arbeit mit Fußballfans (Cristin Gießler und Robert Claus, KoFaS)

12:00 - 13:00 - Mittagessen

13:00 - 15:30 - WS 3: Handlungsansätze für geschlechterreflektierte Team- und Eigenarbeit (Antje Hagel & Antje Grabenhorst, Fanprojekt Offenbach & Agentur für soziale Perspektiven Berlin)

15:30 - 16:30 - Reflektionsrunde und Abschluss / Abreise

 

Verbindliche Anmeldung bitte bis zum 01.09.2016 über das FOBI Portal der KOS oder via Fax / Email / Post an:

Fanprojekt Leipzig – Brandvorwerkstraße 37 – 04275 Leipzig Fax: 0341-30328916 / Mail: fanprojekt.leipzig@outlaw-ggmbh.de

Diskussion im RBB "Wie männlich ist der Fußball noch?"

Am Samstag, den 25.06.2016, durften wir an einer Diskussionsrudne im RBB-Kulturradio teilnehmen und unser Projekt vorstellen.

Die Kurvendiskussion
Wie männlich ist der Fußball noch?
Sa 25.06.2016 17:04 - 18:00 Uhr

"Da bekommt man Ohrenkrebs" war noch einer der netteren Kommentare, die Claudia Neumann bekam, als sie nichts weiter getan hatte, als ein EM-Fußballspiel live zu kommentieren. Ein Shitstorm brach los. Es gbt offenbar eine relevante Zahl von Fans, die meinen, der Fußball habe männlich zu bleiben, auch in Zeiten erfolgreicher Frauen-Teams. Männer sind hart und kämpfen und Frauen sind vor allem sexy - diese Zuschreibungen sind im Fußball besonders zählebig. Wie männlich ist der Fußball noch?

Eine Kurvendiskussion mit folgenden Studiogästen:

Robert Claus, Fanforscher
Antje Hagel, Leiterin eines Fanprojekts
Andreas Rüttenauer, Sportredakteur der taz

Julia Riedhammer, Moderation

www.kulturradio.de/programm/sendungen/160625/zeitpunkte_debatte_1704.html

Fachtagung "Geschlechter sensible Fanarbeit" 17. bis 18. Nov. 2015 (Bremen)

Tagungsbericht „Geschlechtersensible Fanarbeit“

Der Zusammenschluss der Fanprojektler_innen Nord hatte am 17./18.11.2015 gemeinsam mit der KoFaS zur Tagung „Geschlechtersensible Fanarbeit“ in das Lidice Haus nach Bremen eingeladen. Ihre Beobachtungen zum Thema Geschlechterrollen und –verteilung in Fanszenen, sowie ihre Erfahrungen und Eindrücke der Sozialen Arbeit mit Fußballfans, veranlassten sie zur Gründung des Arbeitskreises. Ziel ist es, das Thema „Geschlecht in Fußballfanszenen“ (wieder) mehr in den Fokus der Arbeit mit Fußballfans zu rücken. Ein Großteil der über dreißig Teilnehmenden bestand aus Fanprojektmitarbeiter_innen, die von über 13 verschiedenen Standorten anreisten. Einige aktive Fans, Freiberufliche und Mitarbeiter_innen verschiedener Einrichtungen nahmen ebenfalls an der Tagung teil.

Grundlage für die zweitätige Tagung bildete der Auftaktvortrag von Dr. Melanie Plößer von der Fachhochschule Bielefeld, die einen theoretischen Input gab über die „Veränderungen und aktuellen Diskurse in der geschlechtersensiblen Pädagogik“. Dabei bot sie einen Überblick über die geschlechtertheoretischen Ansätze, die die Pädagogik im Laufe der letzten 60 Jahre maßgeblich beeinflusst haben. Neben dem wissenschaftshistorischen Einblick wurden auch immer wieder aktuelle Fragen aufgeworfen, die sich für die pädagogische Praxis, aus dem jeweils aktuellen gendertheoretischen Ansatz heraus ergeben. In der anschließenden Diskussion, wurden verschiedene Aspekte diskutiert, die uns teilweise auch im weiteren Verlauf der Tagung begleitet haben. So wurde zum Beispiel die Frage in den Raum gestellt, ob vor dem Hintergrund dekonstruktiver und queerer Ansätze in der Pädagogik, geschlechtergetrennte Angebote noch Sinn machen und überhaupt möglich sind. Einen weiteren Input gaben Antje Hagel und Antje Grabenhorst am zweiten Tag unter dem Titel „Sexismus im Fußball und Selbstermächtigungsstrategien weiblicher / queerer / antidiskriminierender Fußballsfans“. Hier wurde zunächst durch verschiedenes Bildmaterial aufgezeigt, auf welche unterschiedlichen Arten Sexismus funktioniert. Im Anschluss daran wurden Beispiele von Faninitiativen und Kurven und ihren Strategien vorgestellt, mit denen sie sich in und vor dem Stadion gegen Sexismus einsetzen sowie gegen hegemonial männliches Verhalten positionieren.

In zwei Workshop-Phasen wurde auf Grundlage des theoretischen Inputs, sowie der eigenen Praxiserfahrungen gearbeitet. In dem ersten, thematisch eher breit gefächerten Workshop standen „Geschlecht(erbilder) im Fußball“ im Zentrum. Zentral waren dabei die Fragen nach geschlechtlichen Botschaften und mit dem Geschlecht verbundenen Anforderungen und Erwartungen an junge Fußballfans. Dabei kam die Rolle der Medien ebenso zur Sprache wie die werbewirksamen Aktionen der Vereine, die dafür gerne auf Geschlechterstereotype zurückgreifen. Der zweite Workshop „Sexistische Mackerscheiße vs. Weibliche Ultragruppe? – Möglichkeiten und Grenzen geschlechtersensibler Fanarbeit“ nahm Bezug auf die sozialpädagogische Arbeit mit den Fans und die Aufgaben- und Rollenverteilung im eigenen Team in den Blick. Bereits durch die Einstiegsübung waren die Teilnehmenden dazu angeregt, sich mittels verschiedener Fragen zu positionieren. Fragen wie „Setze ich mein Geschlecht in der Arbeit mit Fußballfans bewusst ein?“ oder „In meinem Team arbeiten alle mit einem geschlechterreflektierten Ansatz“ brachten die Teilnehmenden dazu, über die eigenen thematischen Bezüge zu reflektieren bevor die inhaltliche Diskussion zum Thema geschlechterreflektierte Sozialarbeit weiter ging. In der abschließenden Plenumsdiskussion wurden die verschiedenen Gedankenstränge diskutiert und festgehalten, was in die eigene Fanprojektarbeit mitgenommen werden kann.

Positiv hervorgehoben wurde von vielen Teilnehmenden, dass es zum ersten Mal einen Raum für Austausch zu diesem Thema gab. Es besteht offensichtlich ein Bedarf sich auf verschiedenen Ebenen über das Thema Geschlechterverhältnisse im Kontext Fußball auszutauschen. Sei es in Bezug auf das eigene sozialpädagogisch arbeitende Team, oder die eigentliche Arbeit mit den jungen Fußballfans. So wurde auch der Wunsch geäußert, das Thema der Tagung in einer Folgeveranstaltung zu vertiefen.